Weihnachtsmortlachs 2008
Es wird Weihnachten ’08. Ein Jahr geht dem Ende zu, das mir
nicht nur gutes gebracht hat. Gerade zum Jahresende gibt es noch einige
Einschläge, die man lieber nicht hätte. Um mich ein wenig aufzubauen gönne ich
mir ein paar Jahrzehnte (Summe 2007 Jahre) flüssige Mortlach Geschichte.
Die heilige Nacht !
Zagatti
Mortlach, 1990/2008, 18 y, 46 %
Anläßlich der Feiern zum 50’ten Geburtstag von Zagattis
Sammlung. Danke an Stephan !
Farbe/Verh.
I. Glas : Volles Gold mit
Touch Richtung Bernstein. Schöne viele Legs.
Nase
: Voll und feist
fettig und mit GROßEM Körper ausgestattet. Ein echter Valujew nur viel
hübscher. Angenehm mit den beliebten Eindrücken von angebratenem Hühnerfleisch
und dunklem Malz mit Sommerblumen. Warm und genial Süß rund und angenehm nach
Honig Marzipannoten.
Geschmack
: Süß und
geschmeidig auf der Zunge. Der Mund wird wässrig und minzig. Malzige Grundtöne
mit krautigen Eindrücken wie man sie eigentlich nur von Highlandpark kennt.
Dunkler Waldhonig und die Eindrücke gehen in eine sehr alte Richtung. § Jahre
mehr und man hätte wohl angenehme Leder und Pferdedeckennoten entdeckt. So,
erahnt man sie nur. Die Versprechung ist aber angenehm und erfreut das
Entdecken.
Abgang
: Mittellang, süß
und immer süßer werdend. Popcorn mit zu viel Karamellzucker. Da hält man stille
und genießt.
Fazit
: Der blinde Mr.
Zagatti hat gut gewählt. Ein ganz typischer und sehr guter Mortlach. Voll,
modern süß und mit viel Genuss- und Entdeckungspotential. Man schwankt ob ihm
mehr Jahre und mehr Prozente zu einem ganz großen gemacht hätten. Ich denke so
wie es ist ist es schon gut.
G&M Private Collection, Mortlach
25.07.1968 / 03.2006, 37 y, 45 %, Sherry Hogshead 4836
Farbe/Verh.
I. Glas : Zäh bewegt er sich
im Glas. Kaum, das sich Perlen bilden, so laufen sie maximal 4 mm hinab und
bleiben fett hängen. Dunkles Mahagoni so ölig und satt in der Farbe, das das
Glas von Maggi gefüllt ist. Der Duft beweist aber das Gegenteil.
Nase
: Ich liebe diese
alten fetten Sherryhammer. Eiche eingelegt in süßen Sherry und dunkelsten Aceto
Balsamico di Modena. Unterstrichen von Schwarzen Trüffel und Zuckerrübensirup.
Dabei die leichte Trockenheit feuchten Staubes in Opas Scheune mit dem Getreide
und den Mäusekötteln. Süße saftige Rosinen und schwarze Rosen. Vom Körper trotz
45 % so voll und mächtig !
Geschmack
: Komplex - ja
kompliziert. Weniger Süße als die Nase verspricht. Nach der zarten Rosinensüße
verschwindet er fast vollständig. Dann taucht mundfüllend die trockene
Holzigkeit eines so alten Tropfens auf. Etwas sehr trockenes, als ob man in den
Schulranzen meiner Mutter aus den 40’er beißt. Der Sherry sehr herb und
begleitet von reifen exotischen Früchten. Löschpapier mit Ahronsirup. Leder mit
herben Sirup. Kein Wasser notwendig, ja im Gegenteil er würde die Erfahrung
verderben.
Abgang
: Mundwassernd und
Geschichten erzählend. Sich verändernd. Nicht zwei nicht dreidimensional.
Ständig mit dem Gaumen spielend. Sehr lang. Sehr interessant. Es kommen salzige
trocknende Ledernoten. Dann wieder eine patsch nasse dunkle holzige
Sherryzunge. Am Ende bleibt der Trockene Eicheneindruck der ganz leicht
angebrannt – eher karamelisiert wirkt.
Fazit
: Ohne Worte. Ich bin begeistert. Für solche
Geschmackseindrücke trinke ich Whisky, ja liebe ich Mortlach. Multiple Geschmacksorgasmen !
G&M Private Collection, Mortlach
26.07.1957 / 05.2007, 50 y, 43,5 %, Cask 585/586 Danke Mario !
Farbe/Verh.
I. Glas : Macoré Holz,
nicht so dunkel und tief wie Mahagoni, aber schön allemal. Die Legs laufen gut
aber dickflüssig ab.
Nase
: Voll und süß. Eindrücke von Rosinen, roten
Trockenfrüchten und italienischen Trockentomaten in Olivenöl, Blutorangen und
Orangen. Etwas Limette auf modriger Eiche. Torf für den Garten. Frischer
Mutterboden. Mit recht viel Süße. Je länger er im Glas ist desto Süßer und
voller wird er. Gut aber nicht von der Komplexität und dem Dauernosing-Gen
befallen.
Mit Wasser flacher und süßer. Mehr Obst und jünger
Geschmack
: Zunächst wieder
die Süße, die sich auch recht lange Hält. Angenehme Eiche aber nicht alles
erschlagend. Nach hinten raus dunkler süßer Sherry auf herber Pampelmuse.
Länger im Mund und mehr an Menge macht es nicht besser sondern vor allem
trockner. Kaum darüber hinweg ist ein wenig Waldmeisterbrause auf der Zunge und
überlagerte getrocknete Sultaninnen mit Mandeln. Er ist alt und vielleicht
etwas zu alt. Vom Körper eher mittelmäßig, ein paar Prozent mehr wären hier
nicht schlecht gewesen.
Mit Wasser noch flacher. Pilzbelastete Torfstücke auf herber
Sherrytunke.
Abgang
: Recht lang. Er
steht mit den trockenen holzigen Noten wie ein Brett. Wässert ganz langsam die
Zunge und verebbt dabei ganz sacht.
Fazit
: Ein Tropfen der
50 Jahre das Holz in dem er war erkundet hat. Viel hat er Mitgenommen. Die Nase
noch ganz schön, so ist die Zunge dahinter zurück. Ein paar Prozent mehr hätten
geholfen. Wer weiß was das Faß noch hergab ?
Am ersten Weihnachtstag ist das Essen kaum verdaut und die
Stimmung erhebt sich, da knie ich nieder vor 102 Jahren in Fässern im Tal des Rivers
Dullan. An der Strasse hoch nach Dufftown. Destilliert vor und nach dem
Weltkrieg. Die Welt hat sich verändert aber der Whisky bleibt.
G&M,
Mortlach, 1949 / 2001, 52 y, 40 %
Farbe/Verh.
I. Glas : Dunkler Bernstein
mit leichter Trübung und recht wäßrig flüssig im Glas. Läuft ab mit wenigen
breiten und flachen Legs.
Nase
: Recht wenig Holz
ist der erste Eindruck, den ich niederschreibe. Der Whisky verleitet eher zu
Geschichten als zu konkreten Notes. Ein Spaziergang durch den Wald in Herbst
nach dem Regen hat seine Reize. Es ist trüb wie der November nun mal ist. Die
Eiche, auf die ich mich zur Ruhe niederlasse liegt ein paar Jahre in dem Laub.
Die dunkle Schokolade, die ich dabei habe um mich zu stärken ist geschmeidig
schon bevor die Zunge sie schmelzen kann. Ich denke zurück an den November
1949. Die DDR stellt ihre neue Nationalhymmne vor während man im Westen mit dem
Petersberger Abkommen wieder die Aufnahme in die Organisationen der freien Welt
feiert. Dabei greift der Marschall Plan für den kleinen Mann nur langsam. Kalte
Kohleöfen verbreiten ihren Duft noch genauso wie erste Südfrüchte die zu
Weihnachten langsam in die Regale des Tante Emma Ladens Einzug halten. Ranziges
Öl findet man in der Pfanne neben alten trockenen Rosinen. Die Eiche als
Brennstoff ist beliebt. Und so schließt sich der Kreis zu dem Waldspaziergang.
Ich stehe nun auf und gehe voran …
Mit Wasser hauptsächlich trocken und holzig.
Geschmack
: Trocken ist das
Brot und hart. Den Kindern gibt man 1949 trockene Nudeln. Sie sättigen und
beschäftigen bevor das Essen soweit ist. Das Rübenkraut im Sauerkraut war wohl
zu reichlich. Auch Essen sollte man auch nicht vom Holzlöffel. Ich kehre zurück
ins Hier und jetzt.
Der Geschmack ist durch einen maximal mittleren Körper
geprägt und recht wenig komplex.
Mit Wasser kommen die süßen Komponenten bestimmend raus.
Angenehm wie eine Schokoladen- Marmeladen- Nachtisch-Komposition.
Abgang
: Mittellang und
vom süßen Holz und Lakritze geprägt. Es kämpft mit herben dunklen
Schokoladennoten die aber nicht gewinnen. Insgesamt weniger ergiebig als
erwartet.
Fazit
: Ein durchaus
interessanter Tropfen aber es bleibt ein wenig der Eindruck, das man
zweiundfünfzig Jahre viel besser managen muß als man dafür Zeit hat. Auch hätten
hier ein paar Prozent mehr sehr gut getan. Bei solchen Bengeln kann man nicht
einfach auf 40 % verdünnen. G&M hat hoffentlich dazugelernt.
G&M,
Mortlach, 20.10.1938/1988, 50 y, 40 %
Farbe/Verh.
I. Glas : Altes Gold und dunkler Bernstein geben sich
die Ehre fette breite und volle Beinchen ins Glas zu Zeichnen und viel zu
versprechen.
Nase
: Kann das den sein
? Ein altes Bourbonfass. Sehr direkt und ansprechend. Die Note ist so deutlich
und so prägend, das kann kein Irrtum sein. Vanille und frische Eiche. Dabei
aber natürlich die alten Komponenten die einen immer neugieriger machen. Der
hat das Dauernosing-Gen. Sehr interessant und es manifestieren sich in meinem
kleinen Hirn Bilder von : Erntefest mit abgeernteten Getreidefeldern und malzigen
Malzkaffe aus der alten Karo – Kaffe Werbung.
Abgestandener Mokkanoten und Haselnüsse. Erstaunlich wenig
holzige Eiche. Statt dessen hinten versteckt rot–, orange-, gelbe- reife
Früchte in einer Kokosnuß mit Vanillesahne verfeinert. Alt, warm, mit großen
Körper in der Nase und guter Präsenz.
Geschmack
: Welch neuer
Geschmackseindruck. Auch hier das alte guite Bourbonfass. Angenehme Eiche.
Sahnige Toffebonbons mit angebranntem Karamell. Mittlerer bis guter Körper und
leicht astringend. Das Alter gibt wieder die pilzig zerstörerirische Eichennote
alten Fachwerks preis, das minzig und dekadent von Jahren erzählt, die lange
dahin sind. 1938 gehört Mortlach SMD. Nur noch ein Jahr bis Krieg, ganz Europa
überzieht. Mortlach darf weiter destillieren.
Abgang
: Mittellang bis
lang. Die trockenen leicht minzig herben Eindrücke bleiben recht gleichmäßig
stehen und verebben sehr stetig bis man aufhört in den Erinnerungen zu
schwelgen.
Fazit
: Ich lege mich
jetzt einfach mal fest und glaube, das dies ein altes refill Bourbon Faß war.
Die Eiche erschlägt nicht. Die Sache ist so noch rund und angenehm das ich den
Hut ziehen muß.
Und das Weihnachtsfest geht lockert weiter. Der gefühlte
dritte Weihnachtstag. Nur noch ein paar alte Schätze, die aus dem Bourbon Faß
stammen und echte Raritäten sind. Danke Carsten !
Wilson
& Morgan, Mortlach, 1975/1996, 21 y, 46 %
Farbe/Verh.
I. Glas : Helles Gold
und recht schnell mit vielen Legs ablaufend.
Nase
: Sehr volle Nase.
Erst etwas frisch, was aber sehr schnell verfliegt. Dann sehr warm mit echter
Vanille und wunderschönen erstaunlich alter Noten. Altes Papier und frische
Haselnüsse. Obstler und Pfirsichlikör. Die Faßnoten sehr zurückhaltend. Schön
ist die Süße des Blütenhonigs.
Mit Wasser kommt der Rauch auch schon in der Nase aus.
Geschmack
: Sehr mild und
rund und schmeichelnd geschmeidig. Dabei die rauchige Note, die bei Speysidern
einfach traumhaft sein kann, weil sie nie bissig sondern immer begleitend statt
dominierend ist. Die milde Süße und die zurückhaltende malzige Fleischigkeit
ist neben ein paar Obstnoten und frischen Rührteig sehr angenehm.
Mit Wasser vorsichtig sein. Ich würde es raus lassen.
Abgang
: Erstaunlich lang
und präsent auf dem Zungenrücken. Mit warmen guten rauchigen Eindrücken neben
Mürbeteigkeksen und reifem Obst.
Fazit
: Ein Tropfen der
seinen wahren, sehr guten Charakter erst so richtig auf der Zunge entwickelt.
Die Rauchnoten sind so gute Begleiter der Speyside Komponenten, das man vor
Ehrfurcht niederknien könnte.
G&M, Connoisseurs Choice
Mortlach, old brown Label, 1969/1984 (?), 56,3 %
Farbe/Verh.
I. Glas : Gold im Glas und
nicht am Baum ! Er läßt in meinem Glas kaum Beinchen zurück und ist erstaunlich
dünnflüssig.
Nase
: Recht alkoholisch
zunächst in der Nase. Betörend mit Noten von Kirschwasser und Vanilin Zucker.
Entwickelt sich im Glas aber ist bleibt insgesamt eher blaß in der Nase. Mit
Wasser entwickelt er sich viel kräftiger. Zeigt großen Körper und geht in die
Nase wie er will. Angeröstetes Gebäck. Karamel und deutlichere Vanille und
Rauchnoten. Kokos und tiefgefrorene Himbeeren.
Geschmack
: Sehr süß aber
erstaunlich geschmeidig bei 56,3 %. Schöne malzige Noten von weißen Toastbrot
und fruchtigen Noten guten Obstbrandes. Wenig komplex aber sehr angenehm. Eine
ganz kleine Rauchnote und abgelaufene Limetten.
Mit Wasser sahnig auf der Zunge aber bissig am Rachen. Die
Süße geht etwas zurück aber es treten neu Geschmackskomponenten wie Blumekohl
mit Butter und malziges Getreide hinzu.
Abgang
: Sehr lang und stehend mundwässernd. Er
bleibt und bleibt mit seinen süßen angenehmen Obstnoten die sich wärmend in die
Zunge eingebrannt haben. Mit Wasser immer noch sehr lang stehend. Verliert nix,
aber gewinnt Komponenten.
Fazit
: Ein Malt der ganz
erstaunlich gewinnt, wenn man ihm einige Tropfen Wasser hinzugibt. Er gewinnt
an Körper und (Geist) Geschmack. Over all ein Malt den es zu entdecken gilt. Er macht Spaß ohne einfach zu sein.
DL - Old Malt Cask, Mortlach , May
1983/ August 2003, 20 y, 50 %, Sherry Cask 2394, one of 666 Bottles
Farbe/Verh.
I. Glas : Volles und glänzendes Rotgold zeichnet mit seeeehr vielen
Linieneinen wahren Barcode ins Glas.
Nase
: Sehr angenehme und malzige Nase. erstaunlich wenig Sherry
aber runde ältere Eiche. Hm, lecker. die Eiche ist richtig schön cremig und
geschmeidig als ob sie rundgelutscht wäre. Heller trockener Sherry und helle
exotische Früchte.
Mit Wasser geschmeidiger und viel fetter in der Nase. Der
Sherry kommt dunkler und voller neben einer modernden Eiche und alten
Fassdauben hervor. Viel voller und komplexer. Etwas alter Essig ist auch dabei.
Geschmack
: Voller Körper der mit 50 % schon eine immense Kraft
entwickelt. Nussige, recht trockene Noten. Etwas Butterkeks und feuchtes
Leinentuch. Ein paar dunkle Beeren und grobes Meersalz.
Mit Wasser geschmeidig lecker. Ihm tut Wasser richtig gut.
Ein angenehm alter Sherrytropfen der auf 40 - 43 % verdünnt ein so angenehmer
Begleiter wird.
Abgang
: Sehr lang und angenehm wird die Trockenheit durch die
malzig weinigen Noten abgelöst und schwillt wieder an. Ein kleines heißes Feuer
im Mund und angenehme holzige Malzigkeit.
Mit Wasser etwas kürzer aber immer noch beeindruckend lang.
Fazit
: Ein sehr ehrlicher, toller Sherrytropfen. Wird nicht
erschlagen vom Holz oder Sherry sondern ist gut ausbalanciert. Ich habe hier
das Wasser nie bereut. Er kann das gut ab und gewinnt.
Cadenheads, Authentic Collection,
Mortlach, 14 y, 1992/11.2006, Sherry Butt, 58,3 %, 600 Bottles
Farbe/Verh.
I. Glas : altes Gold
Nase
: Sehr frisch und
direkt in der Nase. Reifer Apfel und karamelisierte Haselnüsse. UHU
Allzweckskleber aufgetragen auf geschmeidigen Sherry. Daneben hintergründige
gut gewürzte Grillhähnchen.
Mit Wasser fetter und voller werdend. Nicht mehr so direkt aber
auch eine leichte Gumminote wie alter Bleistiftradierer entwickelnd. Der UHU
verschwindet.
Geschmack
: Recht ausgeprägte
Süße und angebranntes Toastbrot mit Waldhonig. Der Sherry ist deutlich aber
ausgewogen mit leichter Holzigkeit und minziger Grundnote.
Er packt aber entsprechend den 58 Umdrehungen ordentlich zu.
Mit Wasser immer noch recht kräftig fast pfeffrig scharf im
Mund. Insgesamt aber würziger.
Abgang
: Mittellang bis
lang. Er wird minimal bitter aber immer angenehm bleibend. Die Eichen- und
Toastbrotnote bleibt. Mit Wasser etwas mehr Eiche und erstaunlicherweise sogar
fast länger.
Fazit
: Interessante
unangepaßte Nase und würzig schöne Toastbrotbilder aufzeigend. Ein recht
typischer Mortlach weil voller Körper und Nase. Der Sherry nicht dominierend
sondern aus dem guten Faß prima mitspielend. Angenehmer Dram in dunkler Nacht.