Dutch Smoky Days
oder – Die Südküste schlägt in Nordholland zurück
Über die Feiertage haben wir uns mit ein paar Freunden
weggemacht aus den abgestammten Gefilden um mit ein wenig Abstand aufzutanken.
(O.T.: Diesel für 90 ct !) Angekommen in Nordholland geht man am besten den
Lieblingsbeschäftigungen nach. Essen, Ins Feuer schauen, mit Freunden Whisky
trinken.
Diesmal ganz ohne Mortlachs. Grund ? Wir haben einen offenen
Kamin und da braucht man halt etwas extrem rauchiges um dagegen zu stinken.
Nachdem wir also ein schönes räumlich großzügiges Ferienhaus
bezogen haben und gut gegessen haben, Tomaten Krabben Nudeln, sitzen wir
gemütlich vor dem Kamin und greifen zu den ersten Südküstenvetretern – Lagas
sind als erstes reif.
Lagavulin for FOCM, 1995/2008, 48 %
Farbe/Verh.i.Gl.: Bernstein und mit vielen Legs ablaufend
Nase : Sehr rund. Viel
Torf ohne bissig zu sein. Geschmeidig mit süßen und reifen Früchten. Ein wenig
Meeresbrise aus Nordwesten in der Nase.
Geschmack : Wow. Ein warmer
süßlicher Biß bis in die glühende Torfstücke. Bei 48 % können es fast noch ein
paar Umdrehungen mehr sein. Die Süße ist nicht dominat sondern ergänzt perfekt.
Im Unterton Mandarinendosenwasser.
Abgang : Nicht der Hammer,
weil maximal mittellang aber schön geschmeidige Torfigkeit. Ich mag es, wenn
man aus der Nase Torfrauch steigen lassen kann.
Fazit : Ein richtig lecker
Tropfen zum Einstieg.
Lagavulin DE, 1989/2006, 4/493, 43 %
Farbe/Verh.i.Gl.: rötlicher Berstein lässt das Sherryfass oder
besser die Einfärbung erkennen. Die Legs laufen trotzdem fett herab und
versprechen einen erneuten Genuß.
Nase : Die ersten
Eindrücke bei gutem Körper sind noch runder und voller – tiefer als bei 48
%’tigen FOCM. Dunkle Früchte mit reifen, fast überreifen Mangos. Daneben
natürlich der kräftige torfige Lagavulin Eindruck. Es tritt hier endlich sehr
deutlich eine schöne Algen, Seegrassnote mit salzigen frischen Meerwasser in
die Nase.
Geschmack : Auf der Zunge
direkt noch torfiges mit einem warmen Rauch. Der Mund ist mindestens genauso
kraftvoll wie der 5 % höher liegende FOCM. Die Süße ist zurückhaltender. Die
Komplexität im Geschmack ist aber auf jeden fall steigerungsfähig.
Abgang : Etwas länger als
der FOCM. Mittellang und rund.
Fazit : Das Sherryfass
mildert die bissigen Südküstennoten schon. Aber der Genuss ist eine deutliche
Steigerung. FOCM via DE. Mein Sieger
mit einer Nasenlänge der DE.
Lagavulin, 30 y, 1976/2006, 52,6 %
Farbe/Verh.i.Gl.: Sattes Gelbgold, Volle sehr dicke Legs.
Nase : Er hat in den
Jahren viel gelassen aber auch neues bekommen. Der Bourbon Anteil mit einer
süßen vanilligen Note ist deutlich dominanter und der Torf ist weit
zurückgetreten. Erscheint nur noch als Abklatsch des 16’ers in Stärke und
Bissigkeit. Filigraner und komplexer treten auch hier Meeresnoten hinzu. Fruchtige
Obstnoten nach reifer Orange und runde Malzigkeit mit deutliche aber für 30
Jahre recht geringer Holznote.
Geschmack : Eine deutliche
Süße und kräftigerer Antritt lassen aufhorchen. Der Torf kommt dann aber
kräftig am Gaumen. Die vanillig
trocknen Noten kommen auf den zweiten Schluck. Gar nicht mehr so nett
karamellisierte weichgekochte Eiche wie beim ersten Schluck. Die Torfnote ist
da aber wird rauchiger und sehr stark eingebunden. Diese Rauchnote ist schon
vergleichbar mit Speyside – Rauch.
Abgang : Der beste heute
Abend. Der steht und raucht vor sich hin schon recht lange Zeit. Der Eindruck
des fruchtigen Bourbonsfasses ist recht lang anhaltend.
Fazit : Ein durch aus
beeindruckender Tropfen. Man hat aber auch schon 30 jährige im Glas gehabt die komplexer
und holziger waren als dieser Laga. Over all komme ich bei diesen Tropfen doch
mal gerne auf das Preis/Leistungsverhältnis. Das passt irgendwie nicht. Er hat
halt von den beeindruckenden Laga-typischen Charaktereigenschaften einiges
verloren. Er hat etwas gewonnen aber nicht soviel dafür die Euronen mehr
auszugeben als z.B. für einen DE.
Man schläft gut und lange in Holland. Nachdem wir ein paar
dringende Sachen eingekauft haben, schauen wir ein wenig im Ort rum bevor es zu
einer eisgekühlten Strandwanderung mit den vorletzten Neuankömmlingen aufgeht.
Es ist wunderschön am Strand bei 0 Grad in den Sonnenuntergang zu bibbern und
dabei Lagavulin FOCM aus dem Flachmann zu schlürfen.
Zum Abendbrot gab es dann Rehbraten mit Rotkohl und Spätzle.
Lecker war es.
Lagavulin 12 y, 1995/2007, 56,4 %
Farbe/Verh.i.Gl.: Helles Gold und er läuft kaum ab. Er bilden
sich zwar Perlen aber kaum Abläufe.
Nase : Zunächst recht
heftiger Rauch und Alkohol. Fast medizinisch heftig. Zurück haltende aber
vorhandene Süße. Ergänzend sind fruchtige Obstnoten zu nennen. Insbesondere
Kirschwasser.
Mit Wasser angenehmer aber nicht tiefer. Es tritt das Meer
näher heran als das vorher der Fall war. Die Vanille kommt besser raus.
Geschmack : Auch recht bissig
und man schmeißt die Rauchbombe in den Rachen. Die Süße ist gut und ergänzt den
heftigen bissigen Rauch ganz gut. Der Torf, der mir immer filigraner vorkommt
als der Rauch, ist zurückhaltender. Die Komplexität ist nicht gerade
weltbewegend.
Mit Wasser ist auch im Mund die Süße viel deutlicher.
Herrencreme mit wenig Schokolade.
Abgang : Lang bis sehr lang
aber leider außer der jungen frischen Süße nicht viel was einen erheitert. Mit
Wasser eher länger und runder. Viel besser trink und genießbar
Fazit : Für einen Laga
vielleicht etwas zu jung um meine angenehme Seite Lagas zu wecken. Nicht immer
sind Fassstärken der Weisheit letzte Krönung. Der hier kann Wasser brauche und
wird dann zu einem angenehmen rauchigen Laga.
Lagavulin 12 y, 1994/2006, 57,5 %, Special Release
Farbe/Verh.i.Gl.: Helles Gold, hier laufen die Legs aber breit
und flach herab.
Nase : Zunächst recht
zurückhaltend. Ein Torfbrett ohne heftig zu sein. Viel Fruchtsüße und angenehme
Salzigkeit solange man die Nase nicht zu tief in den Snifter steckt.
Mit Wasser kommt brackiges Islayhafenwasser hinzu. Viel
modrige verwesende helle Früchte.
Geschmack : Salzigkeit und
angenehmer aber mit gutem Körper dargestellter Torf. Gut trinkbar auch ohne Wasser. Der Alkohol gut eingebunden in die
wenig komplexen „jungen“ Laganoten begleitet von wenig Malz und Butterkeks.
Mit Wasser kommt die Salzigkeit noch deutlicher und der
Rauch viel kräftiger hervor.
Abgang : Mittellang und
malzig süß. Erst verebend trocknend um mundwässernd zurückzukommen. Der Rauch
kommt immer wieder und erinnert noch lange Zeit später an einen angenehmen
Lagavulin abend.
Fazit : Der 2006’er 12’er
ist angenehmer weil nicht so heftig und ein wenig eingängiger.
Bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns dran, den Tag
mit einer großen Wanderung zu nutzen. Kurzfristig sammeln wir Strandgut aber
erstens ist es zu naß zum Verbrennen und zu schwer um sinnlos durch die Gegend
zu tragen. Die Strandhütten werden tatsächlich bewirtschaftet und man kann sich
zum Aufwärmen lecker Chocomelt , Capuccino und Heineken gönnen. Gemeinsam wird
es abends asiatisch und wir genießen eine gemüselastige Wokpfanne.
Whiskytechnisch wird der Abend sehr bunt und neben
Glenfarclas 21, Glenrothes und Lagavulin FOCM, Bruichladdich Cairdean werden so
manche Flaschen oder Samples ihrer Bestimmung zugeführt.